Worum geht’s?

Viele Schulneubauten werden im Zuge ihrer Realisierung vollständig und spezifisch ausgestattet und sind anschließend oft träge für Veränderungen. Dabei muss die Ausstattung in Abhängigkeit vom räumlichen Organisationsmodell einer Schule auf laufende Veränderungen in der Schulentwicklung reagieren und diese begleiten können. Während Möblierungskonzepte in der Vergangenheit – dem Lernsetting des Frontalunterrichts folgend – zumeist auf die Ausstattung mit Tischen und Stühlen fokussierten, geht es heute dar[1]um, fließende Übergänge zwischen unterschiedlichen Lernsettings und neue Nutzungen zu ermöglichen. Neben dem Sitzen an Tischen wird das Arbeiten im Stehen, Liegen oder in Bewegung ebenso wichtig. Unterschiedliches Mobiliar wird ergänzt durch räumliche Nischen und Inseln. Loses Mobiliar wird zusammen mit festen Einbauten an Wänden und Böden konzipiert und in die Planung einbezogen.

Aktions- und Sozialformen

Für die Möblierungsplanung können mindestens sechs unterschiedliche Aktions- und Sozialformen unterschieden werden, die jeweils eigene Anforderungen an den Raum und seine Möblierung stellen:

  • Selbstlernphasen und Spiel (allein oder zu zweit): am Tisch, am Rechner, auf der Couch, im Liegen, frei im Raum, auf Erkundung oder in Bewegung etc.

  • Gruppenlernphasen und Spiel: zu mehreren (in der Regel drei bis sechs) am Tisch, an einer Präsentationswand, im eigenen Raum etc.

  • Instruktionsphasen: frontal oder im Kreis

  • gemeinsame Reflexionsphasen: im Kreis, in dem jeder jeden sehen kann + Peer-to-Peer-Learning und Coaching: Einzelgespräche in geschützter Umgebung

  • Großgruppenaktionen und Spiel (ein ganzer Jahrgang, die ganze Schulgemeinde ...): Situationen des gemeinschaftlichen Austausches in unterschiedlichen Konstellationen

In einer Ganztagsschule spielen außerdem noch weitere ausstattungsrelevante Handlungsfelder eine große Rolle wie Essen und Trinken, Toben und Ausruhen, Spielen und Chillen etc.

Transparente Wände vs. Stau- und Displayflächen

Ganztägige und projektorientierte Bildung geht einher mit einem hohen Bedarf an Ablage- und Staumöglichkeiten von Materialien, vor allem, wenn teilweise auch das individuelle Lernmaterial in den Räumen der Schule bleiben soll. Die Planung von Clustern und offenen Lernlandschaften steht daher vor der Herausforderung, einerseits gute Sicht- und Raumbezüge zwischen den Raumzonen – insbesondere zur Fläche der pädagogischen Mitte – herzustellen und auf der anderen Seite ausreichend Wandflächen als Lager und Displayflächen vorzuhalten. Eine wichtige Rolle haben außerdem Garderoben. Sie sind für die Stärkung eines wohnlichen Charakters von Lernbereichen unverzichtbar und benötigen entsprechende Stau- und Bewegungsflächen, die sich in den verschiedenen Altersgruppen auch unterscheiden können.

↗ Lagerflächen

Flexibilität im Raum vs. Flexibilität zwischen Räumen

Weil die unterschiedlichen Aktions- und Sozialformen jeweils eigene Anforderungen an die räumliche Ausstattung stellen, ist die Flexibilität der Möblierung eine zentrale Herausforderung für neue Schulraumkonzepte. Diese räumliche Flexibilität kann durch unterschiedliche planerische Strategien der Möblierung erreicht werden, die gut abzuwägen sind: Flexibilität im Raum durch Nutzungsneutralität und Mobilität der Möbel – Nutzerinnen und Nutzer können ihre Räume durch Neuarrangieren von Möbeln frei adaptieren und an die jeweiligen Settings anpassen, durch multifunktionales Mobiliar wird dieselbe Fläche unterschiedlich bespielbar.

Flexibilität zwischen Räumen – vordefinierte Raumbereiche, die nutzungsspezifisch optimiert ausgestattet sind, werden den Lernsettings entsprechend aufgesucht. Bewegung und Fokussierung – beides ist wichtig. Neben hoch wandelbaren Raumbereichen werden auch klare Orte benötigt. Erfolgreich sind für bestimmte Settings auch Mischkonzepte wie zum Beispiel Podeste oder Sitzstufen im Raum, die zwar feste Einbauten sind, aber im Alltag unterschiedlich interpretiert werden können und mitunter neue Nutzungen stimulieren.

Qualitätsbegriff und Gestaltung

Die Qualität von Schulmöbeln wird konventionell unter ergonomischen Gesichtspunkten und hinsichtlich ihrer Vandalismusresistenz bewertet. Daher erscheinen Schulmöbel häufig als unverwüstliche, leicht abwischbare Spezialmöbel. Für eine wohnliche Atmosphäre der Lernfelder werden – ganz wie im privaten Zuhause – weitere Qualitäten wichtig: Ästhetik, angenehme und hochwertige Materialien, Vielseitigkeit im Gebrauch. Je deutlicher die Schülerinnen und Schüler selbst die Qualitäten des Gebäudes und der Ausstattung erkennen, anfassen und verstehen können, desto mehr steigt die Bereitschaft, achtsam und verantwortungsbewusst damit umzugehen. Gleichzeitig muss ein Schulbau auch Bereiche eröffnen, die die Gestaltungslust herausfordern und die Chance bieten, zumindest temporär eigene »Spuren« zu hinterlassen.

Weitere Themen, welche die Qualität der Ausstattung betreffen:

↗ Beleuchtung

↗ Teeküchen

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